Adventskalender (2): Häufige Umzüge machen unglücklich

Arbeitnehmer sollen vor allem flexibel und mobil sein. Doch wie wirken sich Wohnortwechsel auf die Psyche um? Gar nicht gut, resümierten zwei Forscher in diesem Jahr: Häufige Umzüge machen unglücklich.

Shigehiro Oishi von der Universität von Virginia und Ulrich Schimmack von der Universität von Toronto wollten in ihrer Studie (.pdf) zwei Fragen auf den Grund gehen: Wie wirken sich Umzüge auf unsere Psyche aus? Und gilt die Regel: Je häufiger wir umziehen, desto unglücklicher sind wir?

Die Wissenschaftler werteten eine landesweite Umfrage aus, für die knapp 8000 Amerikaner verschiedene Angaben machten. Wie es ihnen seelisch ging, wie zufrieden sie mit ihrem Leben waren, ob sie eher optimistisch oder pessimistisch dachten. Die Teilnehmer waren bei jener Befragung zwischen 20 und 75 Jahren alt. Zehn Jahre später wurden sie erneut um Auskunft gebeten, knapp 5000 machten mit. Diesmal beantworteten sie jedoch noch eine zusätzliche Frage: Wie oft sind sind als Kind mit ihrer Familie in eine andere Stadt umgezogen?

Bei ihrer Analyse fanden Oishi und Schimmack einen bemerkenswerten Unterschied: Diejenigen Umfrageteilnehmer, die in ihrer Kindheit oft umgezogen waren, fühlten sich als Erwachsene mit wesentlich höherer Wahrscheinlichkeit unglücklich – allerdings nur dann, wenn sie eher introvertierte Charaktere waren. Dies galt unabhängig von ihrem Alter, ihrem Geschlecht, ihrem Bildungsniveau oder ihrem Beruf. Mehr noch: Häufige Umzüge erhöhten sogar die Sterblichkeitsrate der Introvertierten. Bei extrovertierten Personen wirkten sich Umzüge hingegen nicht negativ aus. Warum litten also nur die Schüchternen?

Die Wissenschaftler nennen in ihrer Studie gleich mehrere Gründe: Wer als Kind oft in eine andere Stadt ziehe, verliert seinen Freundeskreis, ist in der Schule erstmal Außenseiter und muss neue Bekanntschaften schließen – alles keine wirklichen Wohlfühlfaktoren. Zumal sich introvertierte Menschen schon als Kind ohnehin schwerer tun, neue Leute kennenzulernen. Und das hat offenbar weitaus schlimmere und langfristigere Konsequenzen als bislang angenommen.

Die Studie ist einerseits eine Warnung, andererseits ist sie zugleich auch ein Appell – an die Bedeutung tiefer Freundschaft. Wer echte Freunde hat, egal ob als Kind oder als Erwachsener, dem geht es tendenziell besser. Er fühlt sich wohler und ist glücklicher. Und nicht nur das: Er lebt auch länger.

7 Kommentare

  1. Hallo,
    ich befasse mich gerade etwas mit meinen Verlustängsten usw.
    Ich denke die häufigen Umzüge während meiner Kindheit ( 4x bis ich 11 Jahre alt war )
    Keine Geschwister
    Vater häufig beruflich länger unterwegs
    pflasterten den Weg.
    Ich kann überhaupt nicht visualisieren ( Schwarz, auch wenn ich mir eine Zitrone oder einen rosa Elefanten vorstelle ) und kann mich fast an nichts wirklich erinnern aus meiner Kindheit. Nur bruchstückhafte Szenen. Auch Fotos ( gibt es aber nur ein paar ) helfen da nicht.
    Das macht es mir schwer “ aufzuarbeiten“ auf der Gefühlsebene. Ich WEISS warum vieles ist wie es ist, aber hilft nicht wirklich gegen diese „emotionalen Schmerzattacken.
    Gruß
    Andrea

  2. Das verwundert nun eigentlich nicht, oder? Viele eher introvertierte Menschen haben von vorneherein einen eher überschaubaren Freundeskreis. Sich nach einem Umzug komplett umzugewöhnen, fällt gerade diesen Menschen besonders schwer. Vor allem muss man auch auf andere Leute zugehen können, wenn man irgendwo neu ist. Nur selten ist es so, dass man gleich mit offenen Armen empfangen wird, sei es an einer neuen Schule, an einem neuen Arbeitsplatz etc.

  3. In der Studie steht bereits im abstract „the negative association between the
    number of residential moves and well-being was observed among introverts but not among extraverts.“ Diese Information ist nicht gerade unwesentlich und sollte dementsprechend im Text auftauchen.

    MfG
    Igor

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