Skurril, aber wahr: Ein Psychologe hat untersucht, wie Männer auf Frauen reagieren, die ein Arschgeweih tragen. Ergebnis: Die spezielle Tätowierung zieht offenbar magisch an und lässt die männlichen Hormone tanzen – und die Fantasie gleich mit.
Das Jahr 2004 brachte Deutschland ein neues Wort – Arschgeweih. Der Duden bezeichnet es heute als „geschwungene Tätowierung am unteren Rücken, deren Form an ein Geweih erinnert“.
Der Journalist Harald Martenstein vermutete damals, die Geweihe hätten vor allem eine schmückende und sexuell anregende Funktion. Wie recht er hatte, zeigt jetzt eine neue Studie des französischen Psychologen Nicolas Guéguen von der Universität der Südbretagne.
Zunächst zeigte er drei Dutzend Männern Fotos verschiedener Frauen mit einem Durchschnittsalter von 20 Jahren. Dann wählte Guéguen jene elf Frauen aus, die die Männer besonders attraktiv fanden, und reichte ihnen einen roten Bikini, ein Buch und ein Badetuch.
Damit legten sich die Frauen nun an warmen Sommertagen an 20 verschiedene Strände in der Bretagne – und zwar bäuchlings. Denn: In der Hälfte der Fälle trugen sie ein wasserlösliches, etwa elf mal fünf Zentimeter großes Tattoo in Form eines Schmetterlings über dem Steißbein, also: ein Arschgeweih.
Ein Komplize von Guéguen beobachtete das Geschehen diskret und hielt einerseits fest, ob die Frauen von Männern angesprochen wurden – und wenn ja, wie lange es bis zur ersten Kontaktaufnahme dauerte. Insgesamt konnte Guéguen 220 Situationen auswerten – 110 mit Tattoo, 110 ohne. Sie ahnen es wahrscheinlich schon: Das Arschgeweih wirkte.
Trugen die Frauen ein Tattoo, wurden sie immerhin 26 Mal angesprochen, also in etwa 25 Prozent der Fälle. Ohne Körperschmuck trauten sich nur elf Männer an sie heran – eine Quote von zehn Prozent. Und: Im Fall der Tattoo-Gruppe dauerte es im Schnitt knapp 24 Minuten bis zur ersten Kontaktaufnahme. Ohne Tätowierung waren es immerhin 35 Minuten.
In einem weiteren Versuch sprach Guéguen 440 Männer an den Stränden an und befragte sie zu den Frauen. Und dabei bemerkte er: Die Männer wollten die Frauen mit Steißbein-Schmuck eher zu einem Date treffen. Mehr noch: Sie hielten es für wesentlich wahrscheinlicher, dass die Arschgeweih-Gruppe sich gleich beim ersten Rendezvous auf Sex einlassen würde. Bloß in Sachen Attraktivität gab es keinen wesentlichen Unterschied zwischen den Gruppen.
Für Guéguen zeigt die Feldstudie zum einen, wie sehr sich Männer beim ersten Anblick einer Frau von körperlichen Merkmalen leiten lassen. Und zum anderen glaubt er: Ein Tattoo am Steißbein erfüllt eine ähnliche Funktion wie Schminke oder Kleidung.
Diese Produkte nutzen Frauen aus Sicht von Evolutionspsychologen, um attraktiver zu sein, mehr Männer anzuziehen und bei der Wahl des richtigen Partners eine größere Auswahl zu haben. Guéguen vermutet: Ein Tattoo am unteren Rücken dient Männern als Hinweis, dass Frauen womöglich empfänglicher sind für sexuelle Avancen – auch wenn sie damit häufig grandios falsch liegen.
Quelle:
Nicolas Guéguen. Effects of a Tattoo on Men’s Behavior and Attitudes Towards Women: An Experimental Field Study. Archives of Sexual Behavior
Bisher hat sich mein Wunsch nach einem Tattoo immer noch in Grenzen gehalten. Bisher! 😉
Auch auf die Gefahr hin, dass dieser Kommentar bzw. diese Vermutung Klischees bedient: Man sollte aber nicht außer Acht lassen, welche Typ Frau sich ein „Arschgeweih“ stechen lässt. Tattoos sind bei den Frauen ja nicht gleich verteilt. Die Frauen denken sich ja etwas dabei (auch wenn die Frage aufwirft ist, ob die Sache mit dem Tattoo auch wirklich zu Ende gedacht hat) und tragen damit eine gewisse Einstellung vor sich her. Nicht nur Kleider machen Leute, sondern auch Tattoos (und Schminke, und die Frisur etc.). Da scheint es nicht überaus verwunderlich, dass die Männer diese Typ Frau eher ansprechen. Außerdem hat man durch ein sichtbares Tattoo immer sofort ein Gesprächsthema.